Projekt Details
| Standort | Viersen |
| Bauherr | Kreis Viersen |
| Architekten | Fritzen + Müller-Giebeler Architekten BDA und Heiermann Architekten BDA |
| Verfahrensart | Wettbewerb, 1. Platz |
| Fertigstellung | 2026 |
Städtebau und Freiraum
Mit den Neubauten des Straßenverkehrsamtes und der Förderschule Viersen ist in Dülken im Zusammenspiel mit dem bereits 2022 fertiggestellten Kreisarchiv ein Ensemble öffentlicher Bauten des Kreises Viersen entstanden. Die Setzung der beiden neuen Baukörper greift die vorgefundene städtebauliche und programmatische Situation auf: Die Förderschule orientiert sich in ihrer Lage und winkelförmigen Gebäudestellung zum angrenzenden Gebäudeensemble des Berufs- und Weiterbildungskollegs, jedoch mit eindeutiger Adressbildung zur Viersener Straße. Im Sinne einer Bildungslandschaft entsteht im Zusammenspiel ein übergeordneter lebendiger Freiraum, welcher – nach Schulschluss – der Allgemeinheit zur Verfügung stehen kann. Es werden überwiegend heimische Baumarten gepflanzt. Dazu kommen gemischte Hecken, Vogelnährgehölze, Wiesenansaaten und zusätzliche Habitate durch Steinschüttungen und Totholzhaufen, die selbstverständlich in die Gestaltung der Lernräume im Freien eingebunden sind. Das Niederschlagswasser wird in großen Teilen dem Grundwasser wieder zugeführt sowie durch eine Zisterne zur Bewässerung des Schulgartens genutzt.
Die Positionierung des Straßenverkehrsamtes ist dem Kreisarchiv zugeordnet, welches so von den das Kreisarchiv umgebenden großzügigen Freiräumen profitiert.
Förderschule
Die Eingangshalle ist das „Herz“ der Schule, an den die zentralen gemeinschaftlichen Nutzungen der Schule wie Werkstätte und Turnhalle sowie auch der Schulhof anschließen. Ein offenes Treppenhaus verbindet die drei Ebenen miteinander und erlaubt Blickbeziehungen über alle Geschosse.
Die Klassenräume sind auf allen Ebenen als jeweils abgeschlossene Lernlandschaften im Ost-West orientierten Gebäudeflügel konzipiert. Die differenzierte Gruppierung der einzelnen Räume um den gemeinschaftlichen Flurraum schafft sowohl den notwendigen Rückzugsraum in den Klassen- und Differenzierungsräumen wie auch mögliche Kommunikationsbereiche in den Fluren. Verglaste Lufträume bringen Tagesslicht in die Binnenflure.
Straßenverkehrsamt
Eine einfache Orientierung für die Besucher des Straßenverkehrsamtes ist Grundlage für ein gutes Funktionieren der Abläufe. Im Erdgeschoss werden alle öffentlichen Funktionen gebündelt. An den zentralen Wartebereich schließen Zulassungs- und Führerscheinstelle direkt an. Die Mitarbeiterbüros befinden sich im Obergeschoss, wo auch eine Außenterrasse für die Mitarbeiter mit Orientierung zum Grünbereich des Kreisarchivs angeordnet ist.
Das Projekt wird DGNB Gold zertifziert.
Der Kreis Viersen hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Gebäude und Freianlagen wurden nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung geplant und betrieben. Das Tragwerk in Holzbauweise bildet eine weitgehend flexible Grundstruktur die Umnutzungen in Zukunft erlaubt. Die Fügung der einzelnen Holzbauelemente erfolgt über lösbare Verbindungen. Massive Bauteile sowie der Trockenbau sind weitgehend in Lehmbauweise umgesetzt. Zum Einsatz kommen massive Lehmbauwände, trocken ausgemauerte Gefache in der Außenwand (Grünlinge) sowie Trockenbauwände mit Lehmixplatten. Sämtliche Putzflächen werden in Lehm ausgeführt.
Im Freiraum werden Re-Use Materialen (Pflaster) und Baumaterial mit hohen Recycling-Anteil (z.B. beim Asphalt bis zu 80%) verwendet. Fast alle verwendeten Materialien haben das Potential, im rückgebauten Zustand wieder verwendet zu werden. Etwa 950t CO2 Äquivalente können über 30 Jahre in den Gebäuden gebunden werden. Damit sind die Gebäude über diesen Zeitraum mehr als klimaneutral und somit klima-positiv. Wärme- und Energie werden durch einen Eisspeicher in Verbindung mit Photovoltaik und Luftkollektoren gewonnen.